top of page

Tennisarm im Rheingau Epicondylitis lateralis humeri verstehen, gezielt behandeln und Wiederauftreten vermeiden. Auf Basis aktueller Studien.

  • Autorenbild: E N
    E N
  • 21. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Tennisarm (Epicondylitis lateralis) ist eine schmerzhafte Reizung der Sehnenansätze am Ellenbogen. Die wirksamste Behandlung ist exzentrisches Krafttraining kombiniert mit aktiver Schmerzkontrolle — nicht Schonen, nicht Cortison-Spritzen. Bei Physiomedic in Eltville behandeln wir nach aktueller Evidenz mit messbarem Erfolg in 8–12 Wochen.


Was ist ein Tennisarm eigentlich?


Der Tennisarm — medizinisch Epicondylitis lateralis humeri — ist eine Überlastungs-Reaktion der Sehnenansätze am äußeren Ellenbogen. Trotz des Namens betrifft er nur 5 % aller Tennisspieler. 95 % der Patient:innen kommen aus ganz anderen Bereichen: Handwerker, Bürotätige, Heim­handwerker, Maler — alle, die viel mit dem Unterarm greifen oder Mausarbeit machen.

Typische Symptome: Schmerz am äußeren Ellenbogen, der bei Greifbewegungen, beim Anheben von Tassen oder Werkzeug zunimmt. Manche Patient:innen können morgens kaum die Zahnbürste halten.


Warum „Schonen" der falsche Weg ist


Die alte Empfehlung war: Schonen, kühlen, abwarten. Diese Strategie ist heute überholt. Aktuelle Studien zeigen, dass komplette Schonung die Heilung verzögert, weil das Sehnengewebe nur durch Belastung reorganisiert und stabiler wird.

Das Gegenteil — gezieltes exzentrisches Krafttraining der Unterarm-Muskulatur — ist heute Goldstandard.

Quelle: Bisset L et al. „Mobilisation with movement and exercise, corticosteroid injection, or wait and see for tennis elbow." BMJ 2006;333:939.

Was die Forschung wirklich zeigt

Exzentrisches Krafttraining wirkt am besten

Eine Meta-Analyse aus 2014 zeigte: Exzentrisches Krafttraining (z. B. das langsame Absenken eines Gewichts mit der schmerzhaften Hand) reduziert Schmerz und verbessert Funktion signifikant besser als andere Therapieformen — auch nach 12 Wochen.

Quelle: Cullinane FL et al. „The effectiveness of eccentric exercise in the management of tennis elbow." Clin Rehabil 2014;28(1):3–19.

Cortison-Spritze hilft kurzfristig, schadet langfristig

Die wichtigste Studie zum Thema (Coombes 2013, JAMA) zeigte eindeutig: Cortison-Injektionen lindern den Schmerz nach 4 Wochen — aber nach 12 Monaten haben Patient:innen mit Cortison signifikant höhere Rückfallraten als die ohne. Die Strukturheilung wird durch Cortison verzögert.

Quelle: Coombes BK et al. „Effect of corticosteroid injection, physiotherapy, or both on clinical outcomes." JAMA 2013;309(5):461–469.

Manuelle Mobilisation als Ergänzung


Manuelle Therapie-Techniken wie „Mobilisation with Movement" (Mulligan-Konzept) reduzieren den Akut-Schmerz und ermöglichen früheren Trainings­einstieg. Bei Physiomedic kombinieren wir das mit exzentrischem Training.


Was wir bei Physiomedic in Eltville konkret machen

Phase 1 (Woche 1–2): Schmerz-Management


  • Schmerz-Skala-Assessment (0–10)

  • Identifikation und Modifikation der auslösenden Bewegungen

  • Manuelle Mobilisations-Techniken

  • Einleitung niedrigschwelliges exzentrisches Training


Phase 2 (Woche 3–8): Strukturierter Aufbau


  • Progressionsphase exzentrisches Training (3×15 Wdh., 2× täglich)

  • Greif- und Stabilisations-Übungen

  • Ergonomie-Beratung (Schreibtisch, Werkzeug)


Phase 3 (Woche 9–12): Return-to-Activity

  • Sport- oder berufsspezifische Belastung wieder einführen

  • Maintenance-Programm für zuhause

  • Re-Test mit Hand-Dynamometer

Realistische Erwartung: Bei konsequenter Mitarbeit sind 70–80 % der Patient:innen nach 12 Wochen schmerzfrei oder deutlich gebessert. Ohne strukturierte Therapie ziehen sich Beschwerden oft Monate hin.

Die wichtigste Übung — Wadenheben für den Ellenbogen


Die effektivste Heimübung ist das exzentrische Handgelenk-Strecken:

  1. Hand mit Handfläche nach unten auf den Tisch, leichtes Gewicht (z. B. 1 kg Hantel) in der Hand

  2. Mit der gesunden Hand das Handgelenk nach oben (Streckung) führen

  3. Nun mit der schmerzhaften Hand das Handgelenk langsam (3–5 Sekunden) absenken

  4. 3 Serien à 15 Wiederholungen, 2× täglich

Wichtig: Leichter Schmerz beim Absenken (bis 4/10) ist erwünscht — er signalisiert, dass die Sehne gefordert wird. Über 5/10 reduzierst du Gewicht oder Wiederholungen.


Wann zum Arzt, wann zur Physio


Zur Physio direkt: bei klassischen Symptomen, kein Trauma, Schmerz unter 6 Monaten, keine Sensibilitäts­ausfälle.


Erst zum Arzt: bei Trauma (Sturz, Stoß), Sensibilitäts­ausfällen in der Hand, plötzlicher Schwäche, oder wenn Schmerzen länger als 6 Monate bestehen ohne Verbesserung.


Häufige Fragen

Wie lange dauert die Heilung beim Tennisarm?


Mit strukturierter Therapie typischerweise 8–12 Wochen. Ohne Therapie kann es 6–24 Monate dauern — und kommt häufiger wieder.


Sollte ich eine Bandage tragen?


Eine Epikondylitis-Spange (Epi-Bandage) kann kurzfristig Schmerz lindern, ersetzt aber kein Training. Wir empfehlen sie als Übergangs-Lösung in den ersten 2–4 Wochen, kombiniert mit exzentrischem Training.


Ist Cortison eine Option?


Studien zeigen: Cortison wirkt nach 4 Wochen besser, aber nach 12 Monaten schlechter als Physiotherapie. Wir empfehlen Cortison nur als letzte Option bei sehr starken Akut-Schmerzen — und nie ohne anschließendes Training.


Brauche ich eine Verordnung vom Arzt?


Für Kassenleistung ja — eine Heilmittel-Verordnung „KG" oder „KGG". Selbstzahler und Privatpatienten können direkt bei Physiomedic in Eltville buchen.

Wie schnell darf ich wieder Sport machen?


Sobald du in den exzentrischen Übungen schmerzfrei 3×15 mit 2 kg schaffst, kannst du sportartspezifisch wieder einsteigen — typisch Woche 6–8. Wir entscheiden nach funktionellen Tests, nicht nach Kalender.

 
 
 

Kommentare


bottom of page